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Maritimes Museum

Zerstörer, kritisch gefasst

TEIL 2

"Gibt es auch Tafeln, die zeigen, welcher Admiral welche Verbrechen begangen hat?" fragt sie während wir weiterschlendern. Diesmal reagiert Nikolov gelassen. "Das ist doch jedem bekannt, was die Verbrechen waren," sagt sie ohne sich umzudrehen. Das müsse man doch nicht noch dazuschreiben..

Ähnlich reagiert Nikolov wenig später im Waffensaal auf Bergermanns Einwand, die glänzenden und golden angestrahlten Säbel, Dolche und Degen in den Vitrinen könnten den Eindruck erwecken, Waffen seien "etwas Schönes und Tolles." "Eine Waffe ist eine Waffe, ob sie nun im Dunkeln liegt oder beleuchtet wird", sagt Nikolov im ruhigen Tonfall.

Wir erklimmen eine weitere Holztreppe und erreichen das fünfte Deck, von Nikolov scherzhaft "der böse Boden" genannt. Bis zuletzt war dieses Geschoss mit dem Namen "Krieg und Frieden. Marinen der Welt seit 1815", nicht zugänglich gewesen. Selbst bei der Pressekonferenz zwei Tage vor der Eröffnung wurde den JournalistInnen und FotografInnen der Blick auf die Präsentation der hier gesammelten Kriegsschiff- und U-Boot-Modelle verwehrt. Stattdessen zeigten Tamm und Nikolov weniger brenzlige Themen wie Tiefseeforschung und die Geschichte des Schiffsbaus.

Schweigend gehen wir über das Deck, die alten Dielen des Kaispeichers knarren laut unter unseren Schritten. Nur einmal noch bleibt Bergermann stehen, vor dem Modell des Schiffes "Goetzen", benannt nach dem ehemaligen Gouverneur der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Die Zeitschrift Stern habe daran kritisiert, dass man nicht erfahre, dass Graf Götzen für 200.000 tote Sklaven verantwortlich sei und dass das Schiff im Ersten Weltkrieg als Kriegs- und Gefangenschiff diente, sagt sie. Nikolov wirkt müde, sie rückt ihre Brille zurecht und beugt sich lange schweigend zu der Tafel. Vergeblich, es findet sich tatsächlich kein Hinweis. Dann sagt sie: "Ich kann nicht behaupten, dass wir alles erfasst haben. Das wäre ja auch unmöglich."

"Unser Wunsch ist, zu fragen: Was hat der Mensch eigentlich gelernt aus den Vernichtungskriegen und warum hört er nicht auf? Das ist die Aussage dieser Etage," hatte Nikolov zuvor in der Lobby gesagt. Sie hoffe, dass das mit der Präsentation gelungen sei. Als wir uns nach über zwei Stunden erschöpft voneinander verabschieden, komme ich auf dem Rückweg noch mal hier vorbei. Ein kleiner Junge von etwa fünf Jahren robbt auf Knien vor einer Vitrine mit deutschen Zerstörern herum. "Papa, das ist das größte Kriegsschiff, das ich je gesehen habe!", freut er sich. "Hhhhm, isn Zerstörer," nuschelt Papa und liest weiter interessiert die Aufschriften in der Vitrine. Der Junge hüpft weiter, "guck mal, nochn Kriegsschiff. Und noch eins."

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