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Großer Bruder

Überwachungsstaat für alle!

Wie oft verpassen wir unsere Freunde nur um wenige Sekunden oder Meter? Was wissen wir schon von uns, den anderen und dem Schicksal? Das Leben wäre doch viel einfacher, wenn man sich staatliche und privatwirtschaftliche Überwachungsmaßnahmen zu Nutze machen könnte. Eine Lobeshymne auf Abhörwanzen und Satellitenbeschattung

Der große Bruder ist überall. In U-Bahnschächten glotzt er mich aus kleinen, an den Wänden montierten Kameras an. Der Sprechstundenhilfe beim Arzt hilft er per Mikrochip auf die Sprünge, und für das große Kaufhaus in der Stadt hat er sich gemerkt, was ich gern einkaufe.

Sobald ich meine Wohnung verlasse und meinem Alltag als rechtschaffene Bürgerin dieser Republik nachgehe, bin ich ein gläserner Mensch. Ich werde von Spionen beschattet, die ich zum Teil sogar selbst in mein Leben ließ. Warum jetzt nicht das Beste draus machen?

Auch ich wäre manchmal gern die große Schwester. Auch ich würde gern aus der Vogelperspektive beobachten, was sich in meinem Viertel so tut. Mit einem erheblichen Unterschied zum großen Bruder: Mich selbst will ich dabei auch observieren. Wie eine Ameise unter Tausenden. Denn damit könnte ich vielleicht dem Schicksal auf die Spur kommen – oder es als bloße Anhäufung von Zufällen entlarven.

Schicksal und Zufall werden im Alltag oft besonders evident durch zwischenmenschliche Begegnungen. Oder das Ausbleiben derselben. Jeder kennt das: Da denke ich gerade – zufällig – an einen Bekannten, den ich lange nicht gesehen habe, und prompt steht er mir an der nächsten Ampel gegenüber. Oder im umgekehrten Fall: Ich gehe Wege, auf denen ich mit größter Wahrscheinlichkeit eine Person treffen müsste, der ich lieber nicht begegnen würde. Und ich bleibe trotz hohem Treffer-Risiko unbehelligt. Da kann man schonmal ins Grübeln geraten und sich in fatalistischen Gedankengebäuden verirren. Sollte das so sein oder ist es einfach passiert?

Dank Überwachungsstaat könnte endlich Licht ins Dunkel kommen. Dazu müssten die staatlich und privatwirtschaftlich gesammelten Daten lediglich für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Wenn alle am selben Strang ziehen, lässt sich der große Bruder bestimmt zur Offenlegung der Informationen überreden – schließlich gibt es doch so etwas wie das Recht am eigenen Bild und Ton. Dann könnte die Menschheit bedeutende Fragen der Metaphysik klären und wir alle avancierten zu Schicksalsforschern.

Ein benutzerfreundliches Computerprogramm, verknüpft mit den Späherdatenbanken, würde die Informationen zum Aufentshaltsort jedes Bürgers in einen digitalen Stadtplan übertragen. Mithilfe dieses „Sozial-Navigators“ könnte ich am Ende des Tages am heimischen PC nachvollziehen, wen ich in den vergangenen 24 Stunden um wenige Sekunden oder Meter verpasst habe. Meine Mitmenschen und ich würden als blinkende Punkte in einem Koordinatensystem auftauchen. Im Zeitraffer ließen sich damit auf dem Bildschirm die Wege eines jeden verfolgen.

Weiterlesen im 2. Teil »


 
 



 

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