Meltfestival
Alle Bands im Überblick
TEIL 9
Die Sterne
aus Hamburg sind aber so was von zurück, pardon: natürlich immer noch da! Nach 15 Jahren glorreicher Bandgeschichte gehen sie mit ihren neuen Songs inhaltlich genau dorthin, wo's weh tut, während überall sonst der Rückzug nach Befindlichkeitshausen zelebriert wird. Dabei funken Zeilen wie "Die Zeit läuft ab, und du bist immer noch irgendein Arschloch oder Besserwisser" wie eh und je, schließlich brachte keine andere Band die Hamburger Schule so zum Grooven und Swingen wie Die Sterne.
Superdiscount (Etienne de Crecy, Alex Gopher, Julien Delfaud)
Spreschen Sie French Ouse? Auch wenn die irgendwann leer und öde gewordene Etikette des "French Touch" längst keine Rolle mehr spielt, Fakt ist, dass Etienne de Crecy, Alex Gopher und Julien Delfaud gemeinsam eine neue Ära der französischer House Music einleiteten. Zwar klingt ihr Sound nicht mehr wie 1999 und weist alle blöden Klischees von sich, aber die Superdiscount-Rezeptur stimmt noch immer: Ihre Mischung aus House, Acid, Techno-Funk und Elektro knallt einfach wie Hölle.
Tomte
Einst hieß es noch in sehr unmittelbarer Aussage und Grammatik: "Hemmoor ist cooler als wie du." Jetzt singt Tomtes Thees Uhlmann weit metaphorischer von der "Stadt mit Loch" und meint damit New York. Die Spanne zwischen diesen beiden Songs erzählt das Märchen aus dem Traum jeder einzelnen Indieband. Von den feuchten Mauern ihres Hamburger Proberaums haben sich Tomte inzwischen zu hymnisch verehrten Stars emporgespielt und lassen uns alle laut herausschreien: "So soll es sein, so war’s erdacht!"
We are Scientists
Auf den ersten Blick betrachtet, gehen diese New Yorker tatsächlich streng wissenschaftlich vor. Erst wird eine Feldstudie auf den Indie-Tanzflächen der Welt durchgeführt, anschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse in einem Reagenzglas vermischt und auf einen Tonträger aufgeträufelt. Das Ergebnis geht einem dann aber derart zu Herzen, dass man einen Nobelpreis vergeben möchte.
The Whitest Boy Alive
Erlend Øye ist ein Mann der Superlative. Er ist der lauteste Leisetreter, der nerdigste Musikzauberer, der charmanteste Narziss im gesamten Indie-Biz und – das behauptet zumindest der Name seiner neuen Band – er ist The Whitest Boy Alive. In klassischer Bandbesetzung und ohne allen überflüssigen Schnickschnack bringt der Norweger damit wieder sein größtes Herzensanliegen auf die Bühne: die wunderbarsten Songs des Universums. Und wer Erlend Øyes Stimme hört, weiß: Der Superlativ hat recht.
WhoMadeWho
Das Phänomen Kuhglockenfunk zieht weiter seine Kreise. Neben !!! und der ganzen DFA-Posse sind längst auch die Dänen WhoMadeWho vom Gomma-Label am Start. Mit bestechender Genauigkeit bringt Tomas Barfod gemeinsam mit Bassist Jeppe Kjellberg und Sänger Tomas Hoffding das Rhythmusfundament auf den Punkt und damit den ganzen Körper in Zappelzustand. Diese Basis verschnörkeln die Boys durch zweistimmigen Falsettgesang und Hauruckschönheit von Pop über Italodisco bis zu Surfrock.
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