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Meltfestival

Alle Bands im Überblick

Wer kommt eigentlich alles zum MELT! Festival und wer ist das?


Aphex Twin Richard D. James weiß, wie es im Jenseits aussieht. Jenseits irdischer Musikformate, im Reich der völlig entrückten und befreiten Frickelherrlichkeit. Noch für den kleinsten Einblick auf jene Seite würden viele seiner Jünger sterben. Bei seinem einzigen deutschen Festivalauftritt in diesem Jahr öffnet der Lord of Wahnwitz in Ferropolis eines der raren Wurmlöcher in seine Dimension. Was er mit Laptop und Turntables anstellen wird, weiß nur er selbst, aber eins steht fest: Das wird hammer.

Pet Shop Boys Was ist noch viel schöner als eine heiße Neuentdeckung? Der Moment, in dem die Begeisterung für alte Helden wieder so richtig kräftig auflodert, wenn Zukunft und Vergangenheit zur Gegenwart verschmelzen. Ja, es geht um die Pet Shop Boys, es geht um ihr großes neues Album "Fundamental", das der NME bereits als "bestes Album seit mehr als einer Dekade" titulierte. Auf dem Melt! spielen Neil Tennant und Chris Lowe ihrem einzigen deutschen Festivalauftritt in diesem Sommer.

The Streets Ein kleiner Schritt in Sneakers, ein großer für den UK-HipHop: Als Street-Poet Mike Skinner vor vier Jahren die Bühne betrat, galt er als Prototyp des prolligen, aber grundsympathischen britischen Geezers. Und jetzt? Immer noch alles "birds", "mates", "spliffs" und "oi oi"? Klar doch, der Mann wird nicht etwa müde, sondern dauernd besser! Für das Melt! reist Skinner mit kompletter Back-up-Band an, um entfesselt über seine Tracks zu schimpfen, zu rappen und zu quatschen. Eben ganz das Geezer-Großmaul.

2manydj's Seit Jahren sind 2manydj’s mit ihrer "Radio Soulwax"-Partyreihe unterwegs und nehmen mit ihren genresprengenden Sets reihenweise die Clubs auseinander. Immer dabei im Plattenkoffer: Bootlegs, Bastardpop, Clubmonstermixe und überhaupt Hits, Hits, Hits – aus allen erdenklichen Stilarten und Epochen. Mit ihrer Band Soulwax machen sie nicht weniger Furore, weshalb wir sehr stolz sind, dass die Brüder Dewaele auf dem Melt! ihre eigene Bühne hosten. Das wird eine Party wie ein 2manydj’s-Set!

Phoenix Wie toll es ist, wenn Gefühle erwidert werden! Bereits zum dritten Mal stehen unsere Pop-Darlings Phoenix in diesem Jahr auf den Melt!-Plakaten und wir fiebern – nach einer bitter beweinten Absage 2004 – ihrem zweiten Auftritt in Gräfenhainichen entgegen. Was sollte diese Vorfreude, dieses Kribbeln im Bauch denn anderes sein als die pure Liebe? Auf jeden Fall ist es genau das Gefühl, das die vier französischen Jungs mit jedem einzelnen ihrer Songs auslösen. Und live wird’s noch mal so schön ...

Soulwax Nite Versions Soulwax sind ja nicht die 08/15-Rockband aus dem Proberaum nebenan. Schon mit "Any Minute Now" und dessen Mischung aus Gitarren und digitalen Beats beeindruckte die Band sowohl Fans als auch ganze Scharen von Nachahmern. Speziell für den Tanzflur haben sie ihre im Original schon sehr schlagkräftigen Songs als "Nite Versions" noch mal elektronisch aufgebrezelt – und haben nun beschlossen, für das Melt! auch mit ihrer Liveperformance ganz auf die "tronische" Seite von Soulwax zu setzen.

Ellen Allien Die Dame müsste eigentlich gar nicht vorgestellt werden. Als Berliner Techno-Königin ist Ellen Allien nicht nur auf den Dancefloors rund um die Welt zu Hause, sondern auch beim Melt! gern gesehener Dauergast. Die Crowd liebt sie als mystisch-entfesselte Club-Elfe, die in ihren DJ-Sets den Drahtseilakt zwischen Erdigkeit und Künstlichkeit immer wieder mit umwerfender Leichtigkeit vollführt. Straighte Beats und Frickelelektronik verbinden sich bei Allien zu einem unvergleichlichen Euphorie-Mix.

Art Brut Einfach knallen lassen, raus mit dem Scheiß, sein eigenes kleines Leben zum glamourösen Seelen-Striptease-Rock-Musical machen. Nichts einfacher als das, dachten sich Art Brut aus London: "Bang Bang Rock und Roll". Ihre Songs sind direkt, verschmitzt, ein bisschen dilettantisch und also perfekt, um aus voller Kehle mitzusingen. Die sprechgesungenen Vocals von Eddie Argos oszillieren irgendwo zwischen aufgeregten Carter USM, schnodderigem Mark E. Smith und der Casualness von Ex-Ikara-Colts Paul Resende.

Battles Polyrock, Hyperjazz, Kopffunk? Wenn vier Typen wie Gitarrenzerleger Ian Williams (of Don-Caballero-Fame), Trommelvirtuose John Stanier (bekannt von Helmet und Tomahawk), Dave Konopka von der Chicagoer Band Lynx und der New Yorker Elektroderwisch Tyonday Braxton aufeinander treffen, dann ringt der Genre-Inspektor schnell mal mit Worten. Nirgendwo sonst mischt sich freie Musik so überzeugend mit Minimalelektronik, rhythmischer Vieldeutigkeit und Jazz-Harmonien. Eine wahre Postrock-Explosion!

Blumfeld Sie sind die Band aus Deutschland, auf die sich, trotz aller Kontroverse, immer noch alle einigen können. Blumfeld-Kritik ist wie Kirchen-Kritik. Am Ende muss bei dabei rauskommen, dass Jesus lebt. Und wahrhaftig: Er lebt. Und er spielt in immer neu verzaubernden Abwandlungen und Instrumentierungen einen der beiden Blumfeld-Songs: den schnellen Midtempo-Gitarrenpop-Schlager oder den langsameren Midtempo-Gitarrenpop-Schlager. Mal nachdenklich, dann stürmisch, verrätselt und doch direkt.

Jennifer Cardini hat ihre Hände viel lieber euphorisch in die Luft gestreckt, als damit nerdig am DJ-Pult herumzufummeln. Was absolut für die mitreißende Energie ihrer Sets spricht, die sie seit Jahren als Resident im Pariser Club Le Pulp und rund um den Erdball von Tokio bis Berlin abliefert. Wenn die Französin hinter den Plattentellern ihr Faible für den kühlen Glanz von Electro und Techno zelebriert, setzen sich die Beine ganz von alleine in Bewegung – und die Arme gehen in die Höhe.

Dave Clarke Brighton ist das Synonym für einen hübsch verregneten Strandurlaub und englische Biederkeit. Aber Dave Clarke hat hier auch ganz ohne Industrieruinen seine Lektion aus Detroit gelernt: Funk und Soul können auch durch Härte generiert werden. An diese Maxime hält er sich seit den frühen 90ern, als Produzent ebenso wie als DJ, und prügelt unbestechlich wie eh und je seine straighten Beats auf die Tanzflächen. Damit ist Clarke einer der großen Düsternisverwalter der Insel – von wegen bieder!

Deichkind Bitteschön-Beats, die klingen, als hätte es Kanye West ins Hinterzimmer einer St.-Pauli-Kneipe verschlagen und als würde J.Lo gleich auf einen Chorus vorbeischauen. So geht es immer noch ab, wenn die nordischen Deichkinder die Bühnen der Popkultur stürmen. Vielleicht sind sie wieder auf ganz großer Mission unterwegs – die heilige gute Laune im HipPop retten –, vielleicht wollen sie auch nur, so wie letztes Jahr, ganz Ferropolis mit ihrer entfesselten Performance in Schutt und Asche legen.

Digitalism Ja, auf dem Dancefloor darf's auch wieder ein bisschen Konzept sein. Zumindest wenn es so lautet wie das von Digitalism: Dirty Elektro Pogo Shit. So nennen Digitalism selbst ihren Style, und darunter machen's Jens Moelle und Ismail Tuefekci natürlich nicht. Leute wie Daft Punk oder Tom Vek und sogar Lisa Stansfield durften das bereits in der entsprechenden Remixbehandlung der beiden Hamburger erfahren. Auch mit Kopflastigem wie Konzept und Digitalismus lässt sich also noch so richtig was reißen.

Editors Alle paar Jahre feiern Joy Division Wiederauferstehung. Nach der Reinkarnation durch Interpol hat der Geist von Ian Curtis nun die Editors aus Birmingham beseelt – wobei die Reduktion auf diese Vorbilder der Band natürlich nicht im Geringsten gerecht wird. Wer einmal live erlebt hat, wie Sänger Tom Smith sich um Mikrofon und Gitarre windet, mit hektischen Bewegungen alles in seinen Bann zieht und scheinbar nur mit größter Mühe verhindern kann, in tausend Stücke zu zerspringen, der weiß das.

Egoexpress Es genügt ein Wort: Knartz IV. So lapidar und unmissverständlich wie Egoexpress in ihrem letzten großen Hit hat niemand sonst die Realität des anhaltenden Sozialkahlschlags mit der neuen Ruppigkeit von Techno verbunden. Knartz IV ist Kalauer, Club-Knaller und politische Parole in einem. Das bringen eben nur Typen wie Mense Reents und Jimi Siebels, die sich ausgehend von ihrer Musiksozialisation in der Hamburger Schule ohne Scheuklappen auf die Energie von Chicago House stürzen.

Erobique Auch wenn Carsten Meyer, bekannt als Erobique und Basslines rausklopfender Sympathieträger bei International Pony, zuletzt mit seinem "Keil Stouncil"-Album bewiesen hat, dass er die große Kunst des Abhängens auf dem Jazz-Listening-Sofa mit Soul-Schmusedecke grandios beherrscht, so verwandelt er sich bekanntermaßen in ein Partymonster sondergleichen, sobald auch nur irgendwo in seiner Nähe eine Spiegelkugel rotiert. Wir nennen es das Discoteer-Syndrom und halten es für einen wahren Segen.

Dominik Eulberg "Flora und Fauna" sind seine große Leidenschaft – neben der Musik, versteht sich. Seit Waldmeister Dominik Eulberg mit der Vehemenz und Eleganz eines Biberbabys über die Betonwüsten in Minimal Town hinwegfegte, ist alles so viel grüner, schöner und freundlicher. Als gelehriger Biber verwendet Dominik Eulberg beim Dancefloor-Abholzen selbstverständlich die Eieruhrtechnik: Tickeditick machen die Frickelbeats, bis mit großem Krach wieder die Bassdrum in den "Gasthof zum satten Bass" poltert.

Nathan Fake Klang die Schnittmenge aus Minimalsound, Indietronica und Gitarrenwand jemals so lärmig und zugleich romantisch wie bei Nathan Fake? Wohl kaum, wussten wir doch gar nicht, dass es diese Schnittmenge überhaupt gibt, bevor der junge Wuschelkopf aus dem englischen Norfolk antrat, um seine persönlichen Lieblinge miteinander zu verschmelzen. Bei Nathan treffen Orbital, Aphex Twin und My Bloody Valentine auf dem Dancefloor zusammen. Und zwischen den Beats schlägt ein riesiges Indieherz.

The Gossip Hey, was war das? Nach einem The-Gossip-Konzert müssen in der Regel erst mal ungläubig und begeistert die Augen gerieben werden. Was das queere Trio aus Arkansas mit seiner musikalischen Explosion namens Blooze anstellt, ist allein schon shocking genug: Riot Grrrl trifft Elektrorock gekreuzt mit Kuhglocke und Disco-Bass. Aber dazu tobt Sängerin Beth Ditto auch noch als unstoppbarer Wirbelwind über die Bühne, wirft mit Tampons um sich und setzt ihre dralle Sexiness in Szene. So wow!

Hell ist die Personifikation des DJ-Propheten. Er lebt und liebt wie wenige andere seine Rolle und Macht als Techno-Querdenker, der Trends aufspürt, sie mit grellem Style auflädt und damit erst so richtig groß macht. Die Crossover- und Retrogelüste der Dance Music der letzten Jahre – von Electroclash bis zu Acid-Rock – hat er beinahe alle mit seiner Truppe von DJ-Gigolos vorweggenommen oder mit angeschoben. Umso gespannter sind wir bei seinem ersten Melt!-Auftritt auf den Hell-Sound 2006.

Herbert und Dani Siciliano Es ist so schön, wenn Liebespaare nach und nach bis zur perfekten Symbiose miteinander verwachsen, gemeinsam kreativ sind und an ihrem künstlerischen Give-and-take auch noch ihr treues Publikum teilhaben lassen. Dani Siciliano und Matthew Herbert gelten seit Jahren als Traumpaar in jenem Land, wo die elektronische Musik keine Grenzen kennt. Sie versöhnen House mit dem Schifferklavier, das Experiment mit dem Groove und Bläser-Swing mit Politik. Dass sie sich auf der Bühne blind verstehen, beweisen die beiden in einem 90-minütigen gemeinsamen Auftritt. Sample-Großmeister Herbert hat sich für seine letzten Alben ja hauptsächlich an Essbarem vergriffen, mal sehen, was das Paar diesmal als Melt!-Galadiner serviert. Wie es sich für solch einen Anlass gehört, feiern die beiden natürlich nicht alleine, sondern umrahmt von einer kolossalen Begleitband in Stärke einer ganzen Fußballmannschaft. Das wird ein großartiges Fest der Liebe!

Hot Chip Bricht nun endlich die große Epoche des Nerd-Glamours an, in der alles mit Kassengestell auf der Nase und Unfrisur im Gesicht zum neuen heißen Ding wird? Oder rotieren Hot Chip derzeit auf allen Kanälen, weil eben ihre Musik so unerhört geil ist? Die Londoner quirlen Prince, Madlib, Beach Boys und Devo zu einer neuen Art von Pop. Für so viel Wahnsinn wurde natürlich gleich eine eigene Schublade aufgemacht: Slapcore. Aber die kann lange warten, bis Hot Chip es sich darin gemütlich machen ...

Hush Puppies Die französische Antwort auf die Arctic Monkeys? Aber wo denn! Die Hush Puppies sind keine Ansage gegen irgendwas, sondern einfach sie selbst. Die Eckdaten "jung" und "Band" stimmen noch, aber im Vergleich zu den Monkeys geht ihre Musik mehr in die Breite, strahlt eine große Wärme aus und klingt dabei immer äußerst catchy. Die tanzbare Plünderung der 60er-Jahre-Mod-Kiste inklusive The-Kinks-Cover ist hier Programm – und eine extrovertierte Bühnenshow versteht sich da von selbst.

Infadels Wenn das mal kein schöner Mythos ist: Als die Band im TV ein Interview sah, in dem Osama Bin Laden die Ungläubigen, die infidels, als die ultimativen Sünder bezeichnete, war die Namensgebung beschlossene Sache. Und was die vier Briten vom Leben und von der Musik wollen auch: Spaß und Euphorie, Sünde rund um die Uhr. Disco und Glam verschmelzen die Infadels zu einer Mixtur, bei der man von jedem Glauben abfällt. Ein Elektropop-Tanzflur-Inferno ist garantiert. Let’s roll!

Isolée Rajko Müller weiß, dass elektronische Musik ihre kreative Kraft immer schon aus der Eingemeindung und Verarbeitung anderer Stile gezogen hat. Als Isolée hat er diese Erkenntnis in einen magischen Klangkosmos zwischen Minimal, Space Rock, Latin und Disco gegossen, in dem schroffe Synthie-Wände genauso ihren Platz finden wie grazil tänzelnde Gitarren, die nur zu gern zwischen klassischen Genres wie Country, Rock und Funk umherhüpfen. Bei Isolée wird House zu einem offenen Raum für Musikpoesie.

Kante Natürlich kommen Kante nicht direkt von der Waterkant, sondern aus Hamburg. In der Hansestadt wurden die vier Jungs dann auch eingeschult, so richtig zu Hause gefühlt, haben sie sich dort allerdings nie. Und obwohl die Band bereits 1995 gegründet wurde und ihr letztes Album "Zombi" genannt hat – ihr schwermütiger, aber außerordentlich experimentierfreudiger Pop ist doch mehr als lebendig.

Markus Kavka Man kennt den gebürtigen Ingolstädter vor allem von MTV-Sendungen wie "Spin" oder "Rockzone", doch als DJ bevorzugt der VJ inzwischen vor allem elektronische Klänge. Angefangen hat Kavka übrigens als Redakteur beim Metal Hammer. Um es mit den Schlussworten seiner Sendung "MTV News" zu sagen: "Ham wa wieder was gelernt heute. Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen." Genau: Wiedersehen auf dem Melt!

Miss Kittin kennt nur ihre eigenen Regeln und zieht ihr Ding durch – was sie in einem Moment zur absoluten In-Figur macht und eine Sekunde später schon durch das vermeintliche Coolnessraster in Hipsterhausen rattern lässt. Ihr selbst und denen, die ihr zuhören, ist das so was von egal, denn wir wissen: Sexiness kommt von Selbstbewusstsein. Und in der Hinsicht macht der Miss und ihren DJ-Sets niemand was vor. Mit ihrem ersten Gastspiel beim Melt! macht sie nun auch endlich unsere Träume wahr.

Klee Von wegen, es gebe überhaupt keine selbstlose Hingabe, Liebe sei nur ein dummer Witz, ein Medientrugbild oder so was. Damit könnt ihr Klee echt nicht kommen! Bei den Kölner Popfeen bekommen Wörter wie "träumen", "Mai" und "Liebespaar" erst so richtig Gewicht – und Leichtigkeit zugleich. Die meinen es ernst, die wissen wirklich was von Gefühlen zu erzählen. Alle, die letztes Jahr ihren phantastischen Auftritt in Ferropolis erlebt haben, werden das gern bestätigen. Uns lacht noch heute das Herz.

Oliver Koletzki Es gibt sie in jeder Clubsaison: die totale Wegblasnummer und den Newcomer dahinter. Letztes Jahr fegte Oliver Koletzki mit seinem "Mückenschwarm" von jenseits der Wahrnehmungsschwelle an die Spitze der Tracklists. Aber wie so oft gilt auch hier: Der vermeintliche Newcomer ist schon ewig aktiv. Oliver fing noch am Commodore an zu produzieren und legt schon seit Jahren Platten auf. Nur gut, dass er nach dem großen Hit seine wummernden Grooves jetzt endlich so richtig ausschwärmen lässt.

The Kooks Lederjacken, Vox-Verstärker und Vogelnest-Frisuren: Die vier Jungs von The Kooks sehen nicht nur aus wie ein Gipfeltreffen von Lou Reed und Bob Dylan in doppelter Ausführung, auch die Songs ihres Debütalbums "Inside In / Inside Out" sind schwer verliebt in den schön analogen 60er-Jahre-Touch. Aber keine Angst, die Brightoner Rocker sind mit ihren gerade mal zwanzig Jahren zwar musikalisch altersweise, der unbändige Lebenshunger ihrer Jugend ist aber trotzdem in jedem einzelnen Ton zu spüren.

Sid LeRock Sie nennen ihn Sid Le Rock. Den Mann, der aus den Eiswüsten Kanadas kam, sich in den Katakomben alteuropäischer Technoclubs verirrte und dort diesen speziellen Rotz-Sound aus seinem Notebook klotzte: kantig und wuchtig wie ein Fels, unverrückbar zwischen Rock und Techno aufgebaut. Trotz dieser Raubeinigkeit arbeitet Sid Le Rock insgeheim als Vermittler zwischen den Polen, den großflächig angetranceten Passagen auf der einen und den metallischen Minimalsounds auf der anderen Seite .

Jamie Lidell , der englische Wizard der Kehlkopf-Aerobics, hebt mit seinen Sangeskünsten Swing, 60er-Jahre-Soul und Prince-Ekstase auf die Boller-Funk-Ebene der Zukunft. Sein Album "Multiply" war eines der besten des letzten Jahres, seine Live-Shows setzen neue Maßstäbe im Bereich der intelligenten Elektronik mit Soul und Wumms. Großes Musikkino ist garantiert, wenn Jamie Lidell im Dialog mit dem Sampler und seiner eigenen choralen Vielstimmigkeit die Grenzen von Mensch und Maschine ausreizt.

Mediengruppe Telekommander sind die verlässlichsten Leistungsträger auf dem Brachland zwischen HipHop und Elektropunk. Von null auf 150 bpm in weniger als drei Sekunden, parallel startet ein anschwellendes Crescendo von Gitarren, treibende Bassdrum und konzertierter Gesang bolzen los und lassen für den Dauerlauf und das Siechtum anderer Deutsch-Indie-Rock-Horstbands nicht viel mehr als Spott übrig. Ihr wisst es sicher schon: "Tickt erst mal einer, dann ticken auch zwei. Und ticken mal zwei ..."

Mathias Kaden Wenn Techno eine große Familie ist, dann ist das Melt!-Festival ihr gemeinschaftlicher Sommerausflug. Hier trifft jeder liebe und bekannte Gesichter. Wie z. B. das von Mathias Kaden, der inzwischen als Melt!-Resident gelten kann. Seit zehn Jahren steht der Mann aus Gera hinter den Plattentellern und bearbeitet seine Grooves immer mit derselben mitreißenden Leidenschaft. Seine eigenen Releases landeten auch schon mal an der Spitze von DJ Kozes Charts. Da freut sich die ganze Familie!

Mia. Warten ist das Wort, das Mia. zuallererst aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. An seine Stelle setzte die Band um Sängerin Mieze Übermut, Ungeduld und Alles-sofort-Wollen. Jetzt oder gar nicht. Mit ihrer frechen Berliner Schnauze gibt Mieze das Sprachrohr einer Generation, die genug hat von den ewiggleichen Vertröstungen auf ein Später, das so doch nie kommen wird. Diese Attitüde zelebrieren sie in angepunkten Indie-Hits und mit schwelgerischen Melodien: Liebe und Rebellion im Einklang .

Moonbootica Eines kann man Moonbootica bestimmt nicht vorwerfen: sich und ihre Musik zu ernst zu nehmen. Die beiden bienen- und bierfleißigen Protagonisten des Auf-die-Zwölf-Clubsounds rappen trashige Verse über alte Italohits und geben auf ihren Albumcovern schon mal die schrille Karikatur südeuropäischer Machos. Der Spaß an der Mucke und an der Party steht bei Tobitob und KoweSix immer im Vordergrund, und genau deshalb sind sie seit Jahren beim Melt! am Start. Weil sie gemeinsam mit uns so geil abgehen.

Barbara Morgenstern Für Barbara Morgensterns Musik müsste eine APM-Rate erfunden werden, damit man das tausendfache Atemanhalten pro Minute zählen kann, das ihre feingliedrig groovenden Songs immer wieder fordern. Morgenstern verbindet ihren verspielten, aber keineswegs platt-niedlichen Pop mit warmen Keyboard-Linien, lässt darüber stets die große Melodie fließen und den Song treiben. Das packt von innen heraus und macht damit nur umso glücklicher. Ans Luftholen will man da schon gar nicht mehr denken.

Nightmares On Wax (Soundsystem) Sie fühlen sich schwer, angenehm schwer. Sie merken, wie sich in Ihrem Innersten etwas Warmes breit macht. Sie spüren, wie es langsam und rhythmisch pulsiert, immer größer und größer wird und ganz von Ihrem Körper Besitz ergreift. Sie wackeln willenlos mit dem Kopf, den Armen, den Beinen. Sie sind jetzt glücklich! So ungefähr müsste ein Track von Nightmares On Wax auf Papier gedruckt aussehen. Denn kaum jemand beherrscht die Kunst der Downbeat-Hypnose durch puren Sound so wie George Evelyn.

Erlend Øye Der junge Mann aus Bergen ist nicht nur hyperaktiver Berufstausendsassa, er schafft es dabei auch noch, überall gleichzeitig zu sein. Na ja, zumindest hintereinander an verschiedenen Orten. Denn neben dem Auftritt mit seiner Band The Whitest Boy Alive verwöhnt uns Erlend Øye beim Melt! auch noch mit einem seiner famosen Singing-DJ-Sets. Alle Perfektions-Fetischisten hinter den Plattentellern können einpacken, hier kommt die pure Ladung Pop-Emotion – zu der sich natürlich wunderbar tanzen lässt.

Pitchtuner Das Credo der neuen Partybewegung von New York über Gent bis Berlin – für handgemachte Elektronik, gegen Rockismen – haben auch Pitchtuner groß auf ihre Fahnen geschrieben. Dem Trio geht es um Housebeats im Zusammenspiel mit P-Funk-Gitarren, Psychedelia und japanischem Gesang, das gemeinschaftliche Band-Sein ist viel wichtiger als Producer-Nerdtum. Live beißen sich die Pitchtuner-Grooves sofort fest und lassen so bald nicht mehr los. Ihr Klangdiorama kann einem ganz schön die Sinne vernebeln.

Das Pop Ein junger und draufgängerischer David Bowie würde heute Musik machen, die klingt wie Das Pop. Nämlich getreu dem Motto: Gute Ideen sagen dir, was zu tun ist, und nicht doofe Trends. Das Pop sind rappelvoll gepackt mit guten Ideen, ihre Songs sprühen nur so vor cleveren Arrangements, Harmonien und Gefühlsausbrüchen. Das sind ganz Süße, die man am liebsten den ganzen Tag lang knuddeln möchte – und außerdem, wie sich inzwischen rumgesprochen haben dürfte, eine Wahnsinns-Liveband.

Angie Reed feat. Eric D. Clark Hier kommt das Doppelpack des sexy Gender-Verwurstungs-Punk-o-tainments. Angie Reed, einschlägig bekannte Radauschwester der Beatbox-DIY-Bewegung, die von Oralsex zwischen Nonnen oder über ihren Illustrierten-Fetisch singt, vermählt sich auf der Bühne mit Eric D. Clark, den wir als großen House-Meister, Glamour-Tunte und natürlich als Chartstürmer mit Whirlpool Prod. in bester Erinnerung haben. Wie geil wird das denn? "Dingsbums Bumst Dingsda"-Mucke ist auf jeden Fall garantiert.

Roni Size und Dynamite MC Roni Size macht immer noch das, was er am besten kann: Er schiebt, schiebt, schiebt. Im Fach Mörderbasslines hat er mit "Brown Paper Bag" seine Doktorarbeit abgeliefert und damit Drum'n'Bass bis zum heutigen Tag geprägt. Seither ist der kleine Mann aus Bristol rastlos darum bemüht, seinen Breakbeat-Style immer neu aufzufrischen, ob mit raschelnden und schleifenden Beats oder paranoid dissonanten Vibes. Auf dem Melt! unterstützt ihn dabei Dynamite MC, einer der führenden D'n'B-Shouter aus UK.

Schneider TM For advanced listeners only? Aber wo denn! Die vertrackt knuspernden und trotzdem eingängigen Klangverschachtelungen von Schneider TM buhlen nicht um die intellektuelle Aufmerksamkeit des Publikums, sondern fangen es ganz einfach ein in ihrem Netz aus Melancholie und süßer Leichtigkeit. Bester Beweis war sein umwerfendes Cover des Smiths-Songs "There Is A Light That Never Goes Out". Und seine eigenen Stücke stehen dieser Magie in nichts nach. Grooves und Melodien, die die Seele tanzen lassen.

Die Sterne aus Hamburg sind aber so was von zurück, pardon: natürlich immer noch da! Nach 15 Jahren glorreicher Bandgeschichte gehen sie mit ihren neuen Songs inhaltlich genau dorthin, wo's weh tut, während überall sonst der Rückzug nach Befindlichkeitshausen zelebriert wird. Dabei funken Zeilen wie "Die Zeit läuft ab, und du bist immer noch irgendein Arschloch oder Besserwisser" wie eh und je, schließlich brachte keine andere Band die Hamburger Schule so zum Grooven und Swingen wie Die Sterne.

Superdiscount (Etienne de Crecy, Alex Gopher, Julien Delfaud) Spreschen Sie French Ouse? Auch wenn die irgendwann leer und öde gewordene Etikette des "French Touch" längst keine Rolle mehr spielt, Fakt ist, dass Etienne de Crecy, Alex Gopher und Julien Delfaud gemeinsam eine neue Ära der französischer House Music einleiteten. Zwar klingt ihr Sound nicht mehr wie 1999 und weist alle blöden Klischees von sich, aber die Superdiscount-Rezeptur stimmt noch immer: Ihre Mischung aus House, Acid, Techno-Funk und Elektro knallt einfach wie Hölle.

Tomte Einst hieß es noch in sehr unmittelbarer Aussage und Grammatik: "Hemmoor ist cooler als wie du." Jetzt singt Tomtes Thees Uhlmann weit metaphorischer von der "Stadt mit Loch" und meint damit New York. Die Spanne zwischen diesen beiden Songs erzählt das Märchen aus dem Traum jeder einzelnen Indieband. Von den feuchten Mauern ihres Hamburger Proberaums haben sich Tomte inzwischen zu hymnisch verehrten Stars emporgespielt und lassen uns alle laut herausschreien: "So soll es sein, so war’s erdacht!"

We are Scientists Auf den ersten Blick betrachtet, gehen diese New Yorker tatsächlich streng wissenschaftlich vor. Erst wird eine Feldstudie auf den Indie-Tanzflächen der Welt durchgeführt, anschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse in einem Reagenzglas vermischt und auf einen Tonträger aufgeträufelt. Das Ergebnis geht einem dann aber derart zu Herzen, dass man einen Nobelpreis vergeben möchte.

The Whitest Boy Alive Erlend Øye ist ein Mann der Superlative. Er ist der lauteste Leisetreter, der nerdigste Musikzauberer, der charmanteste Narziss im gesamten Indie-Biz und – das behauptet zumindest der Name seiner neuen Band – er ist The Whitest Boy Alive. In klassischer Bandbesetzung und ohne allen überflüssigen Schnickschnack bringt der Norweger damit wieder sein größtes Herzensanliegen auf die Bühne: die wunderbarsten Songs des Universums. Und wer Erlend Øyes Stimme hört, weiß: Der Superlativ hat recht.

WhoMadeWho Das Phänomen Kuhglockenfunk zieht weiter seine Kreise. Neben !!! und der ganzen DFA-Posse sind längst auch die Dänen WhoMadeWho vom Gomma-Label am Start. Mit bestechender Genauigkeit bringt Tomas Barfod gemeinsam mit Bassist Jeppe Kjellberg und Sänger Tomas Hoffding das Rhythmusfundament auf den Punkt und damit den ganzen Körper in Zappelzustand. Diese Basis verschnörkeln die Boys durch zweistimmigen Falsettgesang und Hauruckschönheit von Pop über Italodisco bis zu Surfrock.

Wighnomy Brothers Oft kopiert, nie erreicht. Die Wighnomy Brothers aus dem beschaulichen Jena sind inzwischen einfach State of the Art in Sachen Absurdowappelknuffmich-Funk. Robag Wruhme und Monkey Mafia holen genau jenen letzten Rest an Schleudergrooves und sonstigem Klackerdiracker aus ihren Platten, den viele andere DJs für bloße Schmutzpartikel halten und mit cooler Geste wegwischen wollen. Nichts da, die Brothers türmen genau diese Pa rtikel waghalsig aufeinander – und zünden dann das ganze Ding.


 
 



 

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