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Meltfestival

Alle Bands im Überblick

TEIL 3

Jennifer Cardini hat ihre Hände viel lieber euphorisch in die Luft gestreckt, als damit nerdig am DJ-Pult herumzufummeln. Was absolut für die mitreißende Energie ihrer Sets spricht, die sie seit Jahren als Resident im Pariser Club Le Pulp und rund um den Erdball von Tokio bis Berlin abliefert. Wenn die Französin hinter den Plattentellern ihr Faible für den kühlen Glanz von Electro und Techno zelebriert, setzen sich die Beine ganz von alleine in Bewegung – und die Arme gehen in die Höhe.

Dave Clarke Brighton ist das Synonym für einen hübsch verregneten Strandurlaub und englische Biederkeit. Aber Dave Clarke hat hier auch ganz ohne Industrieruinen seine Lektion aus Detroit gelernt: Funk und Soul können auch durch Härte generiert werden. An diese Maxime hält er sich seit den frühen 90ern, als Produzent ebenso wie als DJ, und prügelt unbestechlich wie eh und je seine straighten Beats auf die Tanzflächen. Damit ist Clarke einer der großen Düsternisverwalter der Insel – von wegen bieder!

Deichkind Bitteschön-Beats, die klingen, als hätte es Kanye West ins Hinterzimmer einer St.-Pauli-Kneipe verschlagen und als würde J.Lo gleich auf einen Chorus vorbeischauen. So geht es immer noch ab, wenn die nordischen Deichkinder die Bühnen der Popkultur stürmen. Vielleicht sind sie wieder auf ganz großer Mission unterwegs – die heilige gute Laune im HipPop retten –, vielleicht wollen sie auch nur, so wie letztes Jahr, ganz Ferropolis mit ihrer entfesselten Performance in Schutt und Asche legen.

Digitalism Ja, auf dem Dancefloor darf's auch wieder ein bisschen Konzept sein. Zumindest wenn es so lautet wie das von Digitalism: Dirty Elektro Pogo Shit. So nennen Digitalism selbst ihren Style, und darunter machen's Jens Moelle und Ismail Tuefekci natürlich nicht. Leute wie Daft Punk oder Tom Vek und sogar Lisa Stansfield durften das bereits in der entsprechenden Remixbehandlung der beiden Hamburger erfahren. Auch mit Kopflastigem wie Konzept und Digitalismus lässt sich also noch so richtig was reißen.

Editors Alle paar Jahre feiern Joy Division Wiederauferstehung. Nach der Reinkarnation durch Interpol hat der Geist von Ian Curtis nun die Editors aus Birmingham beseelt – wobei die Reduktion auf diese Vorbilder der Band natürlich nicht im Geringsten gerecht wird. Wer einmal live erlebt hat, wie Sänger Tom Smith sich um Mikrofon und Gitarre windet, mit hektischen Bewegungen alles in seinen Bann zieht und scheinbar nur mit größter Mühe verhindern kann, in tausend Stücke zu zerspringen, der weiß das.

Egoexpress Es genügt ein Wort: Knartz IV. So lapidar und unmissverständlich wie Egoexpress in ihrem letzten großen Hit hat niemand sonst die Realität des anhaltenden Sozialkahlschlags mit der neuen Ruppigkeit von Techno verbunden. Knartz IV ist Kalauer, Club-Knaller und politische Parole in einem. Das bringen eben nur Typen wie Mense Reents und Jimi Siebels, die sich ausgehend von ihrer Musiksozialisation in der Hamburger Schule ohne Scheuklappen auf die Energie von Chicago House stürzen.

Weiterlesen im 4. Teil »


 
 



 

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