Pop
Müde in Berlin
Sie ist die größte Musikmesse der Welt. Leider macht die Popkomm schläfrig wie andere Messen. Was die Musikbranche tut, wenn sie unter sich ist, hat sich
Diane Hielscher
angeschaut
Junge Menschen mit Fliegerbrillen lungern auf den Stufen herum, tippen in ihre iBooks und trinken Coke Zero. Ältere Menschen mit weißem, wirrem Haar sprechen in verschiedenen Sprachen in ihr Telefon. Über Lautsprecher läuft House, eine junge Frau erörtert Latin Musik am Beispiel von Jennifer Lopez und Shakira. Das verwundert, denn mit Mainstream Pop hat die Popkomm laut Line-Up Jahr wenig zu tun. Dann beginnt das Mädchen sich über Jennifer Lopez und Shakira lustig zu machen. Das Bild stimmt wieder.
Die Popkomm ist die größte Musikmesse der Welt. Seit sie vor zwei Jahren von Köln nach Berlin übersiedelte, hat das frech grinsende Berlin einen weiteren Zacken in seine Krone bekommen. Doe Provinz jammert, die Hauptstadt feiert. Trotzdem, eine Musikmesse ist auch nur eine Messe. Das heißt: es gibt überall Infozettel, nett lächelnde Hostessen und Leute, die Geschäftskontakte knüpfen wollen. Alles ganz professionell.
Am Stand des deutschen Phonoverbandes vorbei, geht es in die Halle des Gastlandes Brasilien. Auch hier gibt es nichts weiter zu tun, als „Kontakte knüpfen“. Wer Samba, Farro, Brasil-Electro oder wenigstens eine schöne Atmosphäre erwartet hat, wird enttäuscht. Brasilien ist weiß, steril und unglaublich langweilig. Zumindest wenn man den brasilianischen Musiklobbyisten glaubt. Es gibt Postkarten, auf denen der Corcovado abgebildet ist, der berühmte Berg in Rio mit der Christus-Figur. Außerdem in paar Poster von Stränden und ein aufblasbares Gummikrokodil. Immerhin werden Caipirinha ausgeschenkt.
In der nächsten Halle wird es spaannender. Das Imperium MTV/VIVA hat sich Mühe gegeben. Die MTV-Seite des Standes ist rustikal dekoriert, mit Hirschkopf und Blümchentapete. Da steht auch ein Kicker und natürlich Bier. Auf der Viva-Seite glitzert es rosa wie im Barbie-Himmel. Die coolen Jungs sitzen bei MTV, die scharfen Mädels bei VIVA.
Die Band „Empty Guns“ besteht aus mindestens zwei coolen Jungs. Sie fläzen sich auf einem grünen Sofa, halten ein Bier in der Hand und chillen. Ihre Namen wollen sie nicht verraten, einer von ihnen hat sich krank gemeldet, um hier sein zu können. Natürlich haben sie CDs dabei. Ich bekomme eine. Eigentlich wollten sie hier Kontakte knüpfen, aber die Labels seien alle festgefahren in ihrem Programm. Nein, sie hätten kein Interesse. Die Legende vom blinden Label hört man öfter am heutigen Tag.
Bei Erk nicht. Erk steht am Kicker und ist freier Bandfotograf. Er hat Spaß, das Bier ist lecker, die Stimmung gut. Er hat schon ein paar Leute kennen gelernt, ein paar Visitenkarten ausgetauscht und ist frohen Mutes, dass sich daraus was ergibt. Erk hat schon Fotos von Emo und Ska Bands gemacht. Mit Namen will er nicht rausrücken, „kennste eh nich“ Sein Kumpel Simon macht auch Fotos, allerdings nur von Modells, er ist nur mitgekommen und will jetzt endlich kickern.
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