Interview
Sophies Unterwelt
TEIL 3
Diese Polarisierung hat nicht so sehr mit einem katholischen Umfeld im Speziellen zu tun. Es tritt vielmehr grundsätzlich ein Spannungsfeld auf, wenn jemand aus seiner konservativ-traditionellen Umgebung - und da ist es egal, ob sie muslimisch, katholisch oder linkskonservativ geprägt ist - ausbrechen möchte und seine eigenen Ideen umsetzen möchte.
Trotzdem kann man das finde ich gut am Beispiel des katholisch geprägten Bayerns beobachten, dass die Schülervertretung, also die "Selbstverwirklicher", dort am aktivsten sind, wo sie am meisten in ihren Rechten beschnitten und behindert werden.
Je stärker die Ablehnung gegenüber einer Abweichung, desto stärker ist auch die Reaktion der Abweichenden.
Eure Zeitung ist inhaltlich top, erster Platz im Schülerzeitungswettbewerb Hamburg 2005, zweiter 2006. Ausschließlich dank eurer politischen Forderungen - hat euch das groß gemacht?
Ich könnte mir vorstellen, dass es bei der Jury ganz gut ankam, dass wir uns ziemlich fair und trotzdem mit Humor für unsere Sache eingesetzt haben.
Zur Nachhaltigkeit der Aktion: Ihr habt eine Petition gegen "Schülerzeitungszensur an Hamburger Privatschulen" online gestellt. Was erwartest du dir davon?
Wir hoffen, mit einer möglichst erfolgreichen Petition die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Hamburg zum Nachdenken zu bringen. Außerdem wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Zensur immer ein aktuelles Thema bleibt, auch wenn es sich wie in unserem Fall "nur" um eine vermeintliche unwichtige Schülerzeitung handelte. Freiheitsrechte müssen immer wieder erstritten werden.
Wie passt das Ausmaß der Zensur eurer Schule zur globalen Pressefreiheit? Kann man den Vergleich wirklich machen?
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