Es ist natürlich ein Unterschied, ob man um sein Leben fürchten muss, oder nur einen Knacks in der Schulkarriere riskiert.
Auch wenn eine Gefährdung des Lebens nicht gegeben war, beeinflusst einen der Druck von außen natürlich schon. Bei uns hat es innerredaktionell ziemlich oft gekracht und wir standen nicht nur einmal kurz vor der Auflösung. Der psychische Druck ist einfach da.
Zensur ist Unrecht. Und nur weil ein Unrecht in einem kleineren Rahmen passiert ist, ist es ja nicht weniger schlimm. Deswegen sind die Parallelen für mich auf jeden Fall gegeben.
Die Zensur wird in Zukunft auch in der westlichen Welt wieder stärker zunehmen, allerdings nicht durch staatliche Institutionen, sondern durch wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Schere im Kopf. Die Frage lautet: "Darf ich das Unternehmen wirklich kritisieren oder kündigt es mir dann die Freundschaft?" Die meisten Medieninstitutionen decken ihre Kosten hauptsächlich durch Werbeeinnahmen und sind leider ziemlich stark an ihre Anzeigenpartner gebunden. Das sehe ich als große Gefahr für die Meinungsfreiheit und die Demokratie an.