Chinesische Comics
Der Sprechblasen-Export
TEIL 2
Patrick Abry
: Genau. Bei uns können sie zügellose Adaptionen traditioneller Märchen aus dem 16. Jahrhundert oder persönliche und philosophische Werke veröffentlichen. Pamphlete gegen die Regierung kommen aber auch bei uns nicht in Frage. Wir pflegen sehr gute Beziehungen zu den chinesischen Behörden, die Regierung unterstützt unsere Arbeit – und das soll auch so bleiben.
Zuender
: Warum ist das so wichtig?
Patrick Abry
: Alle Veröffentlichungen und Übersetzungen muss das chinesische Kulturministerium genehmigen. Das ist ein zäher bürokratischer Weg, den wir aber nicht verlassen. Denn nur so können wir die Rechte für diese Comics bekommen. Wenn wir also auch in Zukunft neue Talente entdecken und dem europäischen Markt zugänglich machen wollen, müssen wir die guten Beziehungen zur Regierung aufrecht erhalten.
Zuender
: Sie scheinen eine einträgliche Nische entdeckt zu haben.
Patrick Abry
: Nein, ich bin einfach besessen von Comics. Ich wollte diese Leidenschaft schon immer zu meinem Beruf machen.
Zuender
: Was wissen Sie über den Alltag ihrer Autoren?
Patrick Abry
: Die Wenigsten können von ihrer Arbeit als Comicautoren leben. Die Auflagen sind sehr niedrig, meist zwischen 5000 und 10000 Exemplaren. Es gibt zu wenige Verkaufsstellen für Comics in China. Und chinesische Bücher sind billig: Ein Buch kostet etwa so viel wie zwei Teller Nudeln. Die Autoren verdienen damit also fast nichts. Um trotzdem über die Runden zu kommen, arbeiten viele parallel in einer Zeichentrickfilm- und Videospiel-Firma. Das ist viel lukrativer.