//Zitate-Blog//

Zitat des Tages

Es wird viel gesagt, wenn der Tag lang ist. Und es gibt viele lange Tage »

 

//Kochblog//

Rezeptor

Unser Topf soll schöner werden? Das Zuender-Kochblog hilft »

 

//Spielen//

Wir wollen Spaß

Kommt ins Bälleparadies – alle Spiele vom Zuender gibt es hier »

 

//Newsletter//

Post von Zuenders

Was gibt es neues aus der Redaktion? Unser Newsletter informiert Dich an jedem ersten Donnerstag im Monat. Hier anmelden »

 
//DEUTSCHLAND//
Seiten: 1 | 2 »

Castor

"Eher dagegen"

Gestern rollte der Castor- Transport durchs Wendland. Zuender-Autorin Anja schlug sich mit den Protestlern durchs Unterholz, konnte den Castor aber nicht stoppen. Dafür sorgte auch ihr Onkel, der als Polizist auf der anderen Seite stand


Anja Humburg

„Anja hat die Berechtigung, als getarnte Provokateurin an den Castor-Demonstrationen teilzunehmen“, steht auf meiner Demo-Card. Zusammen mit dem „Atomkraft – Nein Danke“-Button ziert sie meine Winterjacke. Noch ist Solarstromwetter. Zur Auftaktkundgebung am Samstag versammeln sich mehr als 4.000 Atomkraftgegner in Hitzacker an der Elbe. Gelbe Luftballons flattern über den Gleisen, darunter bewacht eine lange Polizeikette die letzten Kilometer der Castor-Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg. Ein kleiner Mops läuft neben mir. Der Hund trägt ein T-Shirt und die Demo-Card.

Während der Zug am Abend in der französischen Wiederaufarbeitungsfabrik in La Hague startet, setzt sich der phantasievolle Widerstand in den vielen kleinen Dörfern im Landkreis Lüchow-Dannenberg fort. Als ich am Sonntagnachmittag nach Klein Gusborn auf den Acker komme, haben 150 Bauern ihre Trecker zu einem X formiert. Tausend Menschen stampfen und klatschen im Takt zu der französischen Trommlergruppe Doukalli. Sie schlägt eine Brücke rüber zu uns deutschen Demonstranten. „Genau wie die Radioaktivität“, sagt Cécile Lecomte von Attac Frankreich, „macht auch unser Protest nicht an der Grenze halt.“ Am Abend versperren die Trecker die Landstraße.

Nass vom Regen und durchgefroren nach stundenlangem Stehen beschließen wir, zum Musenpalast zu gehen. Hier im Zirkuszelt – „Waffen verboten, bitte nicht rauchen, Stopp Castor“ steht vorne angeschlagen - ist es warm. Seit Stunden läuft ein Kulturprogramm. Ein Gaukler schluckt Feuer, ein Zauberer will den Castor verschwinden lassen, schafft es aber nicht ganz, Tänzerinnen und Musiker bringen Heiterkeit in die Nacht. Wir beschließen, ein paar Stunden zu schlafen.

Es ist Montag, Tag X, fünf Uhr dreißig. Für die Uni habe ich heute keine Zeit: Der Castor ist schon in Lüneburg. Mit meiner kleinen Gruppe, die auf den Namen „Katzenklopfer“ hört, fahre ich in den Ort Harlingen zwischen Hitzacker und Dannenberg. Zusammen mit einigen schwarz gekleideten Vermummten schaffen wir es durch den Wald bis an die Schienen. Befehle schallen und Sekunden später umzingelt uns eine Polizeitruppe. Ich bekomme meinen ersten Platzverweis, zwei weitere werden an diesem Tag folgen. Für unsere Personalien ist jedoch keine Zeit.

Den Vormittag verbringen die Katzenklopfer dann an der Böschung des Bahndamms und rangeln gelegentlich mit den Beamten. Im nebeligen Sonnenaufgang stehen die Wasserwerfer hinter uns auf der beraureiften Wiese. Hubschrauber kreisen. Berittene Polizisten bilden eine Kette. Durch die Bäume dringen spärlich Ansagen eines Lautsprecherwagens, der über die aktuelle Lage des Zuges informiert. Dann plötzlich rollt er nur fünf Meter neben mir langsam vorbei: eine rote Lok und dann zwölf silberne Behälter. Im Anschluss die Polizisten. Sie stehen auf den Waggons, schauen auf uns herab, filmen und lachen dabei. Zu der Wut und Traurigkeit in meinem Bauch kommt jetzt auch noch die Demütigung. Ich fühle mich wie eine Verbrecherin.

Weiterlesen im 2. Teil »


 
 



 

//  Startseite //  // Politik // Kultur // Leben // Schwerpunkte // Bildergalerien //  // Adam Green // Redaktionsblog // Rezeptor // Markus Kavka // Selim Oezdogan // Sonntagstexte //  // Zitat des Tages // Spiele //  //
//  IMPRESSUM //

 

ZUM SEITENANFANG