Während andere in der Pariser Innenstadt protestieren, freuen sich Amélie und Edouard – sie haben Sarkozy gewählt. Zuender hat sie gefragt, warum.
Von Patrick Kennedy und Francois Jonvaux
Warum habt ihr Nicolas Sarkozy gewählt?
Edouard (26, Bankangestellter)
: Ich interessiere mich sehr für Politik und kannte beide Kandidaten gut. Ich habe den Wahlkampf nicht im Einzelnen verfolgt, wollte aber auf jeden Fall rechts wählen. Nicolas Sarkozy hat gezeigt, dass er seine Gegner respektiert. Er hat sehr klare Ideen und weiß sie sehr gut zu verteidigen. Ségolène Royal hat nichts weiter versucht als Sarkozys Ideen anzugreifen – ein eigenes Programm hatte sie nicht.
Amélie (24, Ingeneurin
): Ich hatte einfach mehr Vertrauen in Sarkozy als in Ségolène Royal. Ich glaube, sie ist außenpolitisch nicht so kompetent wie Sarkozy. Er will, dass Frankreich seine starke Position in Europa wiederfindet und klar "Nein" zum EU-Beitritt der Türkei sagt. Er will, dass die Leute in Frankreich wieder richtig arbeiten – dass die Gesellschaft den Wert der Arbeit wieder schätzen lernt. Und dass Leute, die mehr arbeiten wollen das auch tun können. Aber ich habe Sarkozy nicht gewählt, weil mich seine Argumente voll überzeugt haben, sondern weil ich es gut finde, wie er auftritt. Und ich wollte eben Ségolène Royal vermeiden.
Weil sie eine Frau ist?
Amélie
: Ich habe überhaupt nichts gegen die Idee, eine Frau zur Präsidentin zu machen. Es liegt einfach an der Persönlichkeit von Ségolène Royal. Es gibt Frauen wie die Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie, die sich besser in der Außenpolitik auskennen.
Edouard
: Mann oder Frau spielt für mich auch keine Rolle. Was mich aufgeregt hat, war ihre Aggressivität während der Fernsehdebatte.
Heißt das, für dich ist das Image wichtiger als politischer Inhalt?
Edouard
: Zu 60 Prozent ist mir das politische Programm wichtig, und zu 40 Prozent die Person, die dann in der Lage ist das umzusetzen. Diese Energie hat Sarkozy. Die Rechte hat insgesamt einen sehr pragmatischen Ansatz, während die Linke in Frankreich in ihrer eigenen ideologischen Argumentation erstarrt. Mit dem Liberalismus ist es wie mit dem Wetter – man muss damit leben. Entweder die Sonne scheint oder es regnet.
Viele Menschen haben Angst vor Sarkozy. Woran liegt das?
Amélie
: Vielleicht liegt das an seinen Aussagen über die Kontrolle der Immigration. Viele Leute erkennen darin die Ideen Le Pens wieder. Aber das kann man nicht eins zu eins vergleichen. Ich finde es nicht gut, dass nur Leuten Aufenthalt gewährt werden soll, die gewisse Fähigkeiten und Kompetenzen mitbringen. Menschen, die in ihrem Land verfolgt wurden, müssen Asyl bekommen. Allerdings bin ich dafür, dass Immigration reguliert wird.
Edouard
: Sarkozy macht den Leuten doch keine Angst. Ist er ein Rassist? Nein! Vermittelt er Autorität? Ja! Will er Ausländer in Frankreich integrieren? Ja! Er erwartet, dass Ausländer die französische Sprache lernen und ich finde das normal. Das hat nichts mit Faschismus zu tun. Die Leute in Frankreich haben einen Komplex, was dieses Thema angeht, Sarkozy hilft uns ihn loszuwerden.
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Das heißt, Sarkozys Aussagen über das Gesindel in den Vorstädten schrecken euch nicht ab?
Edouard
: Im Gegensatz zu anderen Politikern hatte Sarkozy den Mut, die Probleme in den Banlieus direkt anzusprechen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Amélie
: Ich habe seine Aussagen nicht wirklich verfolgt, aber mit der Respektlosigkeit mancher Jugendlicher vor ihrer Umgebung muss Schluss sein. Ich will keine eingeschlagenen Schaufenster mehr sehen, oder Banden, die Einzelpersonen attackieren, nur weil sie nicht besseres zu tun haben.
Was ist mit der Polizei, die überall in Paris zu sehen ist?
Amélie
: Wenn man nachts allein unterwegs ist, ist es beruhigend ein Polizeiauto zu sehen. Aber Polizei allein ist nicht die richtige Lösung, bildungspolitische Maßnahmen zur Kriminalitätsprävention wären besser.
Habt ihr schon im ersten Wahlgang für Sarkozy gestimmt?
Amélie
: Ja, allerdings habe ich lange zwischen Francois Bayrou und Nicolas Sarkozy geschwankt. Was die reinen Argumente angeht, war mir Bayrou näher, aber ich habe dann doch Sarkozy gewählt.
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Also hat dich keines der Wahlprogramme voll überzeugt?
Amélie
: Das stimmt, ich musste mich eben entscheiden. Ich fand zum Beispiel die umweltpolitischen Vorschläge von Ségolène Royal besser als die von Sarkozy. Aber das hat nicht gereicht.