Südamerika
Frisch gestrichen
Noch ein linker Präsident: In Ecuador hat der Sozialist Rafael Correa die Wahl gewonnen. Ist nun ein weiteres südamerikanisches Land auf dem "dritten Weg"? Wird sich zeigen.
Von Till Hilmar
Eine Wahlkampfveranstaltung vor Studenten der Universität Cuenca, Ecuador. "Comandante Che Guevara" schmetterte die Liveband, das Publikum gröhlte mit. "Ich bin kein Kommunist, sondern praktizierender Katholik", sagte damals Rafael Correa, der linke Kandidat für das Amt des Präsidenten, gleich zu Beginn seiner Rede. Viele der Studenten hören das nicht gern, träumen sie doch lieber vom Marxismus. Seit dem Wochenende ist Rafael Correa trotzdem Präsident des kleinen Landes am Äquator.
Der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" liegt nun auch hier in der Luft. Rafeal Correa teilt mit dem Präsidenten Venezuelas Hugo Chavez die Idee von der panamerikanischen Integration, wenn auch in einer rationalen Version. Er ist Professor für Ökonomie und sieht den Tatsachen nüchterner ins Auge als der Populist Chavez. Das Programm seiner "bürgerlichen Revolution": Eine neue Verfassung, ein neues Parlament und eine staatlich regulierte Wirtschaft sollen her; die gerechtere Verteilung des Volkseinkommens ist das Ziel.
Die Armut bekämpfen wollte auch der Gegenkandidat Alvaro Noboa – nur eben auf seine Art. Freier Markt, Annäherung an die USA und Stopp aller Beziehungen zu Kuba oder Venezuela. Alvaro Noboa ist Eigentümer von Bananenplantagen und reichster Mann des Landes. Er repräsentierte den South-American Dream, sein Stil ähnelt dem von Silvio Berlusconi in Italien. Er wirft seinem linken Gegner chavismo vor – ein Kommunist im Schafspelz soll der sein, und heimlich finanzielle Unterstützung von Hugo Chavez aus Venezuela annehmen.
Rafael Correa dagegen sagt: "20 Jahre Washington Consensus sind endlich vorbei" und meint damit den freien Markt, der in vielen der südamerikanischen Ländern gleichbedeutend ist mit der wirtschaftlichen und kulturellen Abhängigkeit von den USA. Diese wiederum, da sind sich viele Südamerikaner einig, haben Schuld an der Unterentwicklung des Landes.
"Für mich war es eine Wahl zwischen zwei Übeltaetern", meint Diego aus Quito. Er spricht Quichua, die traditionelle Sprache der Ureinwohner, mit der auch Rafael Correa bei der indigenen Bevölkerung punktete. "Alle Kandiaten haben den Himmel auf Erden und versprochen und betrügen Armen des Landes umso mehr".
Im Wahlkampf hatten beide Kandidaten das süße Lied einer sozialen Vision gesungen – und beider Ideen kamen größtenteils direkt aus dem Märchenland . Alvaro Noboa zum Beispiel versprach, in den nächsten vier Jahren 1,2 Millionen Häuser zu bauen, das wären 34 pro Stunde gewesen.
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