Jugendliebe

Warum ich Peter Alexander immer noch heiraten will

Schnulzenfuzzi, Schlagerstar - egal! Für eine Frau (26) ist Peter Alexander noch immer der tollste Mann der Welt. Eine Liebeserklärung zu seinem 80. Geburtstag.

Von Diane Hielscher

Ich habe damals schnell kapiert, dass ich meinen Vater nicht heiraten kann. Als mich diese Erkenntnis eiskalt ereilte, war ich fünf. Eine harte Zeit damals. Die Alternative war sofort klar: Peter Alexander, natürlich.

1984 konnte man sich vor seinen Filmen kaum retten. „Im weißen Rössl“, „Das süße Leben des Grafen Bobby“, „Peter schießt den Vogel ab“ und wie sie alle hießen. Peter Alexander hatte kurz vorher, Ende der 70er Jahre, Rekorde gebrochen. 79 Prozent Einschaltquote für eine seiner Shows - das hatte es noch nie gegeben. Trotzdem sagte er Jahre später: "Die Versklavung durch die Einschaltquoten ist doch der Tod jeder Qualität. Das Fernsehen, und da natürlich die privaten Sender, werden immer ordinärer, immer brutaler und immer dümmer. Früher hatten wir noch Spaß in der Showbranche und haben herzhaft viel gelacht. Jetzt geht es da nur noch um Geld, Geld und wieder Geld." So stand es zumindest in der Bild -Zeitung.

Die meisten seiner Lieder konnte ich mitsingen, fast alle seine Filme mitsprechen. Später, mit mittlerweile reifen acht oder neun Jahren, lernte ich auch den Wortwitz darin zu schätzen ( „Hier gibt’s sowieso nichts zu trinken - das ist die Prostitution.“ „PROHIBITION!“ ).

Peter selbst war von den meisten Witzen in seinen Filmen dagegen nicht besonders angetan. Die vielen Komödien, die er produzierte, waren oft schnell und mit den billigsten Mitteln gemacht. Er selbst warnte, das würde den deutschen Film ruinieren. Hoffentlich hat er noch nie eine Telenovela gesehen. Das Publikum - also ich und die anderen - scherte sich darum nicht groß. Wir waren verliebt, ekstatisch und hingerissen. Zugegeben, ich kam etwas später dazu. Als 1979 Geborene hatte ich ja schon viel von Peter Alexander verpasst. Aber ich holte rasant auf:

Die Kassetten stapelten sich in meinem Zimmer, auf leere VHS-Tapes passten zwei Filme von Peter Alexander hintereinander. Wenn sie jemand überspielen wollte, musste er erst an mir vorbei. Vor allem habe ich damals gehasst, wie schlechtgelaunte Pseudo-Intellektuelle Peter Alexander beschimpft haben, er sei ein „Heile Welt-Apostel“: Weil die Stimmung im Land schlecht ist, darf man keine Liebeslieder singen. Da haben wir ja Glück, dass die WM gegenwärtig gute Laune schafft.

Zunächst das Offensichtliche: Peter Alexander sah einfach besser aus als alle anderen. Er hatte kein aufgeplatztes Pfannkuchengesicht wie Peter Kraus. Keine ungesunde Gesichtsfarbe wie Rex Gildo, kein debiles Grinsen wie Roy Black. All diese Schleimer hatten keinen Platz in meinem Leben, ich war ja kein Schlagerfan per se.

Seine Stimme klang natürlich auch am besten. Seine Lieder hatten Humor ( „Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere, weil die Tiere groß sind und die Früchte hoch sind. Die süßesten Früchte schmecken mir und Dir genauso, doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nie“ ) und seine Filme sowieso. Er machte sich fast jedes Mal zum Blödi und war dabei unwiderstehlich. Egal ob lächerliche Frauenkleider oder albernes Cowboygehabe, egal ob nicht lustige Slapstickeinlagen oder übertriebener Wiener Schmäh. Alles war charmant, alles wirkte irgendwie natürlich.

Ach ja, der Wiener Schmäh: Am 30. Juni 1926 wird mein Traummann als Ferdinand Maximilian Neumayer in Wien geboren. Schon mit zehn Jahren ist er Wagner-Fan, in der Schule singt er die Gralserzählung aus „Lohengrin“. Ich singe mit zehn: „Mandolinen und Mondschein“ und hab keine Ahnung, wer Wagner ist. Noch vor dem Abitur wird Peter Flakhelfer, landet in englischer Gefangenschaft. Dort lernt er Blues und Jazz lieben. 1945 beginnt er ein Medizinstudium, bricht es dann aber wieder ab und wird Schauspieler. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt als Barpianist, später auch als Quizmaster im Radio.

1952 heiratet er die Schauspielerin Hilde Haagen. Mit zwölf fange ich an, mich zu fragen, was sie hat, was ich nicht habe. Jetzt weiß ich: eine ganze Menge. Aber wahrscheinlich war ich nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Während '68 in Berlin die Studenten Steine werfen, landet Peter Alexander mit seiner Platte „Schlager Rendezvous“ auf Platz zwei der Spiegel-Bestseller Liste. Die ganzen Preise, die er bekommen hat, passen wahrscheinlich gar nicht in sein Wohnzimmer, irgendwo bei Wien. Es waren allein 12 Bambis. Aber was macht er, anstatt sie zu polieren? Er fährt nach Kanada, zum Angeln. Eins seiner liebsten Hobbies. Man muss ja nicht jede Leidenschaft mit dem Ehemann teilen.

Wenn ich heute auf dem Flohmarkt eine Platte von Peter Alexander sehe, kaufe ich sie, obwohl ich die Lieder sowieso schon alle habe. Seine Filme gibt es mittlerweile auf DVD, die VHS Kassetten sind Vergangenheit. Doch Peter ist es für mich nicht. Talentierte, charmante, musikalische, witzige, gut aussehende Männer mit schönen Händen kommen nie aus der Mode. Auch wenn ich mittlerweile auf raue Weltenbummler mit Dreitagebart stehe und Indie höre.

Ja, ich gebe es zu: die Chancen für eine Hochzeit mit Peter Alexander stehen nicht gut - aber man weiß ja nie… Herzlichen Glückwunsch zum 80., Herr Neumayer!

26 / 2006
ZEIT ONLINE