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Kandisbunzlerin

"Was? Die Deutschen haben schon wieder gewählt?"

Man hätte es nicht mehr für möglich gehalten: Der Bundestag wählt heute Angela Merkel zur Bundeskanzlerin. Wie sehen das eigentlich unsere Nachbarn? Im Zuender bewerten fünf Europäer die deutsche Wahl und den Trubel drumherum.


"Weiterhin so stabil und positiv wie unter Gerhard Schröder"

Ania, 22, arbeitet in Jaroslawl für die Putin-freundliche Partei Jedenaja Rossja (Vereinigtes Russland). Parallel zu den Regionalwahlen, die in Jaroslawl gerade anstehen, studiert Ania Jura, ihr Zweitstudium nach den Politikwissenschaften. Im August war sie zum zweiten Mal in Deutschland. "In unserem Politmagazin "Politika" habe ich gelesen, dass Angela Merkel und ihre Partei die Wahl eigentlich verloren haben. Ich frage mich wirklich, wie es auf so einer Grundlage zu einer Regierung kommen kann. Was die Beziehungen zu Russland betrifft, so hoffe ich, dass sie weiterhin so stabil und positiv bleiben wie unter Gerhard Schröder." Um die Regionalwahlen und knappe Ergebnisse wie in Deutschland macht sie sich nicht so viele Sorgen: "Wir sind die stärkste Partei Russlands, es gibt keine ernst zu nehmende Alternative."

"Habe den Eindruck, dass das Land zweigeteilt ist"

Luca, 20, Student und Sänger der Band "Black Silver" lebt in der Nähe von Bologna, Italien. Er war dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland und verfolgt seitdem gespannt die Nachrichten. Ein Konzert würde er im "kalten Norden" auch gern einmal geben. "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das Land durch die beiden großen Parteien zweigeteilt ist. Weshalb das allerdings so ist, kann ich nicht beantworten. Mich würde interessieren ob diese partei-ideologische Grenze auch für andere Kategorien wie Arbeitslosigkeit, Religion oder Klima als Grenze gelten kann. Das wäre ja dann nicht unähnlich zu Nord- und Süditalien."

"Angela Merkel fand ich sehr beeindruckend"

Karolina, 21, aus Polen studiert seit diesem Semester Psychologie in Wroclaw/Breslau. Sie hat viele deutsche Freunde, lernt eifrig unsere Sprache und hat neben den Wahlen in Polen auch die in Deutschland verfolgt: "Als Angela Merkel am 15. Juli dieses Jahres im Politechnikum in Warschau einen Vortrag gehalten hat, fand ich das sehr beeindruckend: Sie hat deutlich geschichtliche Fakten anerkannt wie das Leiden der Polen im Zweiten Weltkrieg. Außerdem hat sie einen verstärkten Dialog mit Polen angekündigt. Von der neuen Regierung würde ich mir wünschen, dass sie die leicht pro-russische Tendenz der letzten Jahre, wie sie von vielen Polen wahrgenommen wurde, zu einer stärker pro-europäischen macht. Außerdem müsste sich die Einstellung Deutschlands zu Polen insofern ändern, dass polnische Bürger, die nach Deutschland kommen, nicht mehr in vielen Situationen schlechter Behandlung ausgesetzt sind. Interessieren würde mich die konkrete Politik, die Merkel mit Polen anstrebt und wie Deutschland die Rolle Polens in der EU bewertet."

"Für sie ist es eine kuriose Sache, dass eine Frau Bundeskanzlerin wird"

Adrien, 23, ist in Deutschland aufgewachsen und studiert in Freiburg Grund- und Hauptschullehramt. Sein Herz hängt jedoch an Frankreich. Jeden Sommer verbringt er mit seiner ganzen Familie in einem kleinen Ort zwischen Bordeaux und Toulouse bei seinen Großeltern. Für den Rest des Jahres muss das Telefon reichen. "Um ehrlich zu sein: Weder meine Großeltern noch meine Cousinen waren wirklich auf dem Stand der Dinge, was die Wahlen in Deutschland betrifft. Mein Großvater, der traditionell denkt, und meine Großmutter, die eher linksorientiert ist, haben sich besonders für Angela Merkel interessiert. Für sie ist es eine kuriose Sache, dass eine Frau Bundeskanzlerin wird. Meine Cousinen, haben mich genervt gefragt: ‚Was? Die Deutschen haben schon wieder gewählt?’. Mein Steckenpferd ist eindeutig Umweltpolitik. Die ist wohl eher zu kurz gekommen bei den Wahlen…"

"Den Vergleich Magaret Thatcher und Angela Merkel finde ich unglaublich dumm"

Alex, 21, aus Durham (Großbritannien) studiert Germanistik und Geschichte. Sie hat das letzte Jahr als Erasmus-Studentin in Freiburg verbracht und sich in dieser Zeit unter anderem über Haarfärbe- oder Stylingberater-Wettkämpfe unserer Politiker gewundert. Inzwischen ist sie schon Spezialistin in Sachen Deutschland. "Ich glaube, die meisten Deutschen waren gegen eine große Koalition. Zum einen ist die Opposition dann fast unbedeutend. Zum anderen werden Entscheidungen in der Regierung nur ganz langsam getroffen: CDU und SPD werden sich wohl eher noch als einzelne Parteien und nicht wirklich als Koalition verhalten. Ich selbst habe keinen Favoriten gehabt. Dagegen hatte ich das Gefühl, dass viele Deutsche Angela Merkel als Kanzlerin wollten. Nicht weil ihr Programm so überzeugend war, sondern um einen Wechsel zu haben. In Deutschland ist es glaube ich ähnlich wie in Großbritannien: Konservative und sozialdemokratische Elemente vermischen sich und eine klare Ausrichtung der Parteien gibt es nicht mehr. Den Vergleich Magaret Thatcher und Angela Merkel finde ich unglaublich dumm. Sie sind beide Frauen. That’s all."

"Weiterhin so stabil und positiv wie unter Gerhard Schröder"

Ania, 22, arbeitet in Jaroslawl für die Putin-freundliche Partei Jedenaja Rossja (Vereinigtes Russland). Parallel zu den Regionalwahlen, die in Jaroslawl gerade anstehen, studiert Ania Jura, ihr Zweitstudium nach den Politikwissenschaften. Im August war sie zum zweiten Mal in Deutschland. "In unserem Politmagazin "Politika" habe ich gelesen, dass Angela Merkel und ihre Partei die Wahl eigentlich verloren haben. Ich frage mich wirklich, wie es auf so einer Grundlage zu einer Regierung kommen kann. Was die Beziehungen zu Russland betrifft, so hoffe ich, dass sie weiterhin so stabil und positiv bleiben wie unter Gerhard Schröder." Um die Regionalwahlen und knappe Ergebnisse wie in Deutschland macht sie sich nicht so viele Sorgen: "Wir sind die stärkste Partei Russlands, es gibt keine ernst zu nehmende Alternative."

"Habe den Eindruck, dass das Land zweigeteilt ist"

Luca, 20, Student und Sänger der Band "Black Silver" lebt in der Nähe von Bologna, Italien. Er war dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland und verfolgt seitdem gespannt die Nachrichten. Ein Konzert würde er im "kalten Norden" auch gern einmal geben. "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das Land durch die beiden großen Parteien zweigeteilt ist. Weshalb das allerdings so ist, kann ich nicht beantworten. Mich würde interessieren ob diese partei-ideologische Grenze auch für andere Kategorien wie Arbeitslosigkeit, Religion oder Klima als Grenze gelten kann. Das wäre ja dann nicht unähnlich zu Nord- und Süditalien."

"Angela Merkel fand ich sehr beeindruckend"

Karolina, 21, aus Polen studiert seit diesem Semester Psychologie in Wroclaw/Breslau. Sie hat viele deutsche Freunde, lernt eifrig unsere Sprache und hat neben den Wahlen in Polen auch die in Deutschland verfolgt: "Als Angela Merkel am 15. Juli dieses Jahres im Politechnikum in Warschau einen Vortrag gehalten hat, fand ich das sehr beeindruckend: Sie hat deutlich geschichtliche Fakten anerkannt wie das Leiden der Polen im Zweiten Weltkrieg. Außerdem hat sie einen verstärkten Dialog mit Polen angekündigt. Von der neuen Regierung würde ich mir wünschen, dass sie die leicht pro-russische Tendenz der letzten Jahre, wie sie von vielen Polen wahrgenommen wurde, zu einer stärker pro-europäischen macht. Außerdem müsste sich die Einstellung Deutschlands zu Polen insofern ändern, dass polnische Bürger, die nach Deutschland kommen, nicht mehr in vielen Situationen schlechter Behandlung ausgesetzt sind. Interessieren würde mich die konkrete Politik, die Merkel mit Polen anstrebt und wie Deutschland die Rolle Polens in der EU bewertet."

"Für sie ist es eine kuriose Sache, dass eine Frau Bundeskanzlerin wird"

Adrien, 23, ist in Deutschland aufgewachsen und studiert in Freiburg Grund- und Hauptschullehramt. Sein Herz hängt jedoch an Frankreich. Jeden Sommer verbringt er mit seiner ganzen Familie in einem kleinen Ort zwischen Bordeaux und Toulouse bei seinen Großeltern. Für den Rest des Jahres muss das Telefon reichen. "Um ehrlich zu sein: Weder meine Großeltern noch meine Cousinen waren wirklich auf dem Stand der Dinge, was die Wahlen in Deutschland betrifft. Mein Großvater, der traditionell denkt, und meine Großmutter, die eher linksorientiert ist, haben sich besonders für Angela Merkel interessiert. Für sie ist es eine kuriose Sache, dass eine Frau Bundeskanzlerin wird. Meine Cousinen, haben mich genervt gefragt: ‚Was? Die Deutschen haben schon wieder gewählt?’. Mein Steckenpferd ist eindeutig Umweltpolitik. Die ist wohl eher zu kurz gekommen bei den Wahlen…"

"Den Vergleich Magaret Thatcher und Angela Merkel finde ich unglaublich dumm"

Alex, 21, aus Durham (Großbritannien) studiert Germanistik und Geschichte. Sie hat das letzte Jahr als Erasmus-Studentin in Freiburg verbracht und sich in dieser Zeit unter anderem über Haarfärbe- oder Stylingberater-Wettkämpfe unserer Politiker gewundert. Inzwischen ist sie schon Spezialistin in Sachen Deutschland. "Ich glaube, die meisten Deutschen waren gegen eine große Koalition. Zum einen ist die Opposition dann fast unbedeutend. Zum anderen werden Entscheidungen in der Regierung nur ganz langsam getroffen: CDU und SPD werden sich wohl eher noch als einzelne Parteien und nicht wirklich als Koalition verhalten. Ich selbst habe keinen Favoriten gehabt. Dagegen hatte ich das Gefühl, dass viele Deutsche Angela Merkel als Kanzlerin wollten. Nicht weil ihr Programm so überzeugend war, sondern um einen Wechsel zu haben. In Deutschland ist es glaube ich ähnlich wie in Großbritannien: Konservative und sozialdemokratische Elemente vermischen sich und eine klare Ausrichtung der Parteien gibt es nicht mehr. Den Vergleich Magaret Thatcher und Angela Merkel finde ich unglaublich dumm. Sie sind beide Frauen. That’s all."


 
 



 

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