Musikmacher
"Hauptsache, man ist dabei zufrieden"
Das Musiklabel
2nd rec
war ursprünglich nur ein Hobby. Gegen den Trend hat es sich zu einem profitablen Geschäft entwickelt, und das, obwohl der Gründer noch andere Ziele hat als den maximalen Profit.
"Vielleicht habe ich in drei Jahren die Lust daran verloren", sagte er dem
Zuender
. Seinen Eifer bremst das alles nicht: Ein 14-Stunden-Tag ist für ihn keine Seltenheit.
Wer sich ausgerechnet in diesen Zeiten, da die Verkaufszahlen für Tonträger so rapide und kontinuierlich in den Keller sacken und die Vertreter der Musikindustrie entweder ihren Job loswerden oder sich in Gejammer üben, entscheidet, sein eigenes Label zu gründen, das mehr als nur kostspieliges Hobby sein soll, wird gerne schräg angeschaut.
Als Johannes Schardt vor sechs Jahren noch im Elternhaus die erste Veröffentlichung unter dem Label
fiction.friction records
in Angriff nahm, wurde noch kein Gedanke daran verschwendet, dass hier mehr passieren sollte, als Platten von Freunden herauszubringen. Die Debütwerke regionaler Gitarrenbands legten den Grundstein, es folgte die CD einer italienischen Postrock-Combo und der Umzug nach Berlin, wo Schardt als Designer für eine Agentur arbeitete.
Nebenher lief die kleine Plattenfirma weiter und immer besser: "Irgendwann war ich an einem Punkt, wo die Arbeit fürs Label immer mehr wurde, sodass die Zeit nach Feierabend und am Wochenende kaum noch ausreichte. Und ich hatte auch keine Lust mehr auf die Agenturarbeit – zumindest nicht in dem Umfang," erzählt Schardt. Und da man sich in einem Umkreis aus frei Arbeitenden, Selbständigen und Künstlern befand, blieben die skeptischen Fragen weitestgehend aus, als Johannes auf das gute und recht sichere Geld aus der Festanstellung kurzerhand verzichtete und den Job aufgab. "Die einzigen, die meine Entscheidung nicht so gut fanden und vielleicht auch nicht ganz nachvollziehen konnten, waren meine Eltern."
Zusammen mit dem Hamburger Christophe Stoll, ebenso Designer und zudem unter dem Namen
nitrada
als Elektrofrickler unterwegs, hatte Johannes zu diesem Zeitpunkt bereits ein zweites Label, sinnigerweise
2nd rec
benannt, gegründet. Mit seinem Umzug nach Hamburg entschied man sich,
fiction.friction
Geschichte sein zu lassen und die ursprünglich als "elektronisches Label" geplante Zweitplattenfirma zu professionalisieren.
Offiziell machte Johannes sich als freier Designer selbständig, eine Tätigkeit, die er auch heute noch regelmäßig ausübt, um Haushaltslöcher zu stopfen. "Wenn ich dem Arbeitsamt einen Business-Plan für das Label vorgelegt hätte, hätte ich sicherlich keine Unterstützung dafür bekommen. Ich hätte ihn jedenfalls ganz schön frisieren müssen, damit er förderungswürdig aussieht," meint Schardt. "Mir war ja von Anfang an klar, dass ich mit dem Label zunächst kein Geld mache." Mittlerweile trägt sich
2nd rec
selbst und wächst stetig. "Ich denke, wir können zufrieden sein. Immerhin geht der Trend im Allgemeinen ja in die entgegengesetzte Richtung."
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