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Splash-Festival

Einmal HipHop und zurück

An einem schönen See nahe Chemnitz: 25.000 HipHopper treffen sich alljährlich auf einer Wiese und feiern ihre Leidenschaft, sind dabei aber wenig leidenschaftlich. Was mit HipHop in den letzten Jahren passiert ist und wo es hingehen wird, zeigt das SPLASH! Festival.


Die vier Säulen des HipHop. DJs, Rapper, Graffitikünstler und Breakdancer. Ich kenne das noch ganz genau und hätte es doch fast schon wieder vergessen. Als ich sechzehn Jahre alt war, gab es so etwas öfter. Irgendwo in der Festhalle irgendeiner Kleinstadt. Es waren die Zeiten, als das Wochendticket noch 25 Mark kostete und eben das gesamte Wochenende Gültigkeit besaß. Zu Fünft sind wir zu jedem HipHop-Jam oder Freestyle-Contest. Ja, dass Splash-Festival bei Chemnitz erinnert mich daran. Nur dass hier jetzt 25.000 HipHop-Jünger durch den Regennassen Schlammboden stolpern, wo es in den Festhallen vielleicht nur 500 Menschen waren und die brandneuen Sneakers nur vom Tanzen dreckig wurden. Und hier in Chemnitz ist die Frauenquote höher. Wo waren alle diese hübschen Mädchen zu meiner Hochphase? Egal, nun bin ich hier, auf diesen Jugendtag des Rap, umringt von Baggypants und Merchandise-Ständen und frage mich, wohin es diese Szene treiben wird. Auf zu neuen Ufern!

Das Line-Up verspricht einiges und manches kann es nicht halten. So erfährt der zumeist Besucher recht schnell, dass der Hauptact, Nas aus den USA, erst gar nicht ins Flugzeug gestiegen ist. Natürlich nicht ohne schon vorher die Gage für den Auftritt zu kassieren. Die Fans - sauer und enttäuscht. Einige lassen verlauten: „Ist doch immer so mit den Amis! Ansagen machen und dann nicht erscheinen!“ Wohl war: Das „Sich-rar-machen“ ist eine gepflegte Attitüde amerikanischer Szenegrößen auf nationalen Bühnen. Eminem hat gerade auch seine Europa-Tournee abgesagt - Burn-Out-Syndrom. Wollen wir ihm mal die Pause gönnen, aber woran liegt das? Vielleicht wird Rap aus Europa einfach nicht für voll genommen oder ist allenfalls dafür gut, noch einen Markt großzügig zu bedienen oder mit hochbezahlten Gastauftritten auf CDs hiesiger Rapper die eigenen Veröffentlichungen zu pushen. Die Fans hat es geärgert, die Splash! -Organisatoren dürfen sich freuen, werden doch jetzt hohe Vertragsstrafen fällig. Jetzt war der Berliner Rapper Kool Savas der Hauptact und dieser hat sich längst vom Rüpel zum sozialkritischen, umweltpolitisch aktiven Künstler entwickelt, der reimtechnisch brillieren kann. Die Rüpel sind jetzt andere und die waren vor ihm auf der Bühne: Sido und Harris , unterwegs als ein dynamisches Duo namens Deine Lieblingsrapper. Ich bin ganz ehrlich: Das sind sie durch ihren Auftritt für mich nicht geworden, doch haben ihre Shows einen gewissen Unterhaltungswert und ihre Texte sicher genau die Portion Selbstironie, die man braucht, um das Dilemma zwischen Künstler und Kommerz überbrücken zu können, ohne sich jeden Morgen vor dem Spiegel zu schämen, für das, was man tut.

Den jungen Heranwachsenden in den ersten Reihen hat es zumindest gefallen, bloß von hinten flogen Flaschen und Müll auf die Bühne. Unschöne Szenen, die aber an der Legendenbildung der beiden Herren weiter stricken werden und sich herrlich in das Marketingkonzept einarbeiten lassen. Apropos Marketing: Das ganze Gepöbel und Rumgepose, das Brechen von Tabus und Provokation um ihrer selbst willen, erinnert mich an die World Wrestling Federation. Perfekte Showkämpfe, mit Spaß für Groß und Klein und mit wenig Hirn und schon gar keine inhaltliche Substanz. Rivalitäten, gern auch mal mit den Fäusten geklärt, schaffen große Absatzmärkte - die groteske Perversion von „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Nichts desto trotz gab es auch und vor allem großartige Musik zu hören. Samy Deluxe und seine Kumpels aus Hamburg rockten einfach alles bis zu diesem Zeitpunkt gelaufene von der Bühne und aus dem Gedächtnis der Besucher. Dilated Peoples , eine der doch angereisten Bands aus den Staaten, brachten die Wiese zum Beben und ließen für 1 _ Stunden den penetrant auf die Schirmmützen prasselnden Regen vergessen. Looptroop aus Schweden waren wohl die präsenteste Formation auf der Hauptbühne – bleibende Eindrücke.

Schön das HipHop populär ist, dass haben sich die meisten immer gewünscht. Auch sehr schön, dass man jetzt auch mit Talent Geld verdienen kann. Aber was bleibt übrig? Ich habe nicht das Gefühl von damals gehabt, das Gefühl, mit jedem Satz, den ich höre, dazu zu lernen. Ich war nach diesem Wochenende vor allem eins: Pleite!

Kein Wunder, denn den Kids da draußen wird suggeriert, dass man sich mit HipHop gefälligst über das richtige Outfit, die neuen Sneaker und die dicksten Ketten identifizieren muss. HipHop, so wie es einmal gab, was mich damals gefangen nahm, wird es nie mehr geben. Da kann man jetzt weinen oder auch nicht. Aber vielleicht kann man die Ziele eines jeden ein wenig korrigieren: Wichtig sind nicht deine dicken Felgen an den noch dickeren Autos, sondern deine Skills, die du dir verdammt noch mal da vorn auf der Bühne verdienen musst!

Weiterlesen im 2. Teil »


 
 



 

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