Interview
Selbstbewusst mit Deutschland auseinandersetzen
Tyron Ricketts ist ein viel
beschäftigter Mann. Neben seinen Schauspielprojekten ist er auch noch aktiv bei
den Brothers Keepers und endlich wieder mit seiner Sendung WordCup am Start.
Viel Lesenswertes über HipHop, Rassismus und Deutschland
Tyron, zurzeit kann man dich im Video der neuen Brothers Keepers Single "Bereit"
sehen. Was passiert dort im Moment?
Während wir damals mit "Adriano" ein klares Statement setzen wollten, das den
Menschen zeigen sollte, dass es eine starke afrodeutsche Community gibt, geht es
jetzt vielmehr darum, die Bekanntheit der Brothers Keepers zu nutzen, um noch
mehr Aufmerksamkeit zu erreichen. Deshalb ist es jetzt auch nicht mehr ein rein
schwarzes Projekt. Es geht ja nicht darum, jemanden auszugrenzen, sondern um die
Erkenntnis, dass wir es nur gemeinsam schaffen, etwas zu verändern.
Wie begleitet ihr dieses Projekt parallel?
Zum Beispiel haben wir neulich wieder eine kleine Schule in Brandenburg besucht.
Die soll nun geschlossen werden, weil immer mehr Leute aus der Region wegziehen
und der Rest, der übrig bleibt, wird in eine größere Schule eingegliedert, wo es
dann definitiv schwieriger wird, den Kids einen positiven Einfluss zu geben. Da
hilft nur Aufklärung und so ein Gespräch mit den Eltern, den Schülern, Lehrern
und dem Direktor kann schon verdammt ernüchtern, wenn sich dabei herausstellt,
dass die Kids nur eine Bushaltestelle im Ort haben, an der sie sich treffen
können und von dort werden sie auch noch von der Polizei verjagt. Da müssen
Alternativen her, sonst haben es NPD und andere einfach, die Kids zu ködern und
für ihre Sache zu begeistern. Der Schritt von der Langeweile hin zum
Rechtsradikalismus ist dann nur noch sehr kurz.
In deinem Kurzfilm "Afrodeutsch" sprichst du davon, dass du die Hoffnung hast,
dass das HipHop Movement diese offensichtlichen Barrieren zwischen den
Hautfarben und den alltäglichen Rassismus auflösen kann. Wie reagierst du auf
nationalistische Tendenzen im HipHop, wie es sie zurzeit vermehrt gibt?
Provokation gehört zum HipHop und ist legitim, aber ob man sich dabei auf
vergangene, kraftvolle Statements berufen muss, weiß ich nicht. Ich fand Flers
Albumankündigung auf den Plakaten auch krass (Anm.d.R.: Fler ist ein Rapper von
Aggro Berlin und hatte sein Album "Neue Deutsche Welle" mit den Worten "Ab dem
01. Mai wird zurückgeschossen" angekündigt), habe dann aber sein Video gesehen
und da kann man sich drüber streiten wie man das findet, aber es ist okay, wenn
man sich selbstbewusst mit Deutschland auseinandersetzt. Da man das in der
Vergangenheit nie gemacht hat, ist es klar, dass man jetzt die Grenzen neu
ausloten muss.
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